grillmoebel
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23 Jun 2016
Oh, seht mich an, ich bin ein CEO

Ich denke dieser Tage sehr viel über Attraktivität nach.
Wächst man in bürgerlichen Verhältnissen auf, so bilden die Strukturen die Normen und die bürgerliche Ideologie tut das Ihre dazu, alles, was normal ist, als richtig zu deklarieren und damit alles als falsch, was den eigens konstruierten Normen widerspricht oder auch nur im Geringsten davon abweicht (die Lehrkräfte bürgerlicher Schulen scheuen sich ja auch nicht, immer wieder von „Werten und Normen“ als etwas zu sprechen, was gut und wichtig ist. Diese Vollpfosten).
Jedenfalls braucht niemand diesen Blog zu lesen, der_dem nicht klar ist, dass Körper- und Schönheitsnormen Quatsch sind. Ehrlich, ich bin nicht dazu da, solcherlei Basisarbeit zu machen, kann man überall nachlesen oder einfach kurz das Hirn anschalten, wer ist eigentlich jemals auf die Idee gekommen, jemanden abzuwerten, weil er_sie irgendwie aussieht? Einfach lächerlich. Und so klar mir das ist, so wenig ist es in meiner tatsächlichen Praxis vorhanden, dieses Denken. Und das ist kein Wunder, wenn jahrelang die Norm darin besteht, dass die dicke Person vom sozialen Leben ausgeschlossen wird (und wenn sie später auch nicht mehr vom sozialen Leben ausgeschlossen wird, dann stets noch vom sexuellen, in den meisten Medien schwebt bis heute der Hauch eines Skandals über eine dicke Person mit einem „normalen“ Sexleben), wie natürlich auch Leute, die auf irgendeine andere Art und Weise nicht in das Schönheitskorsett passen, das Reklame und Ideologie zusammen weben. Dies wahrnehmend, kann es für eine nicht betroffene Person oft Priorität sein, nicht so enden zu wollen, anstatt (richtigerweise) die Leute zu richten, die sowas am Laufen halten. Und so wird sich die große Mehrheit in ihrem Leben schon einmal über Zeiten hinweg nicht schön/dünn/jung/sportlich etc genug gefühlt haben und darunter nicht wenig gelitten haben, obwohl das alles völliger Mumpitz ist.
Da ich nicht blöd bin, wusste ich stets, wie oberflächlich das alles ist und lehnte es nach und nach auch nach außen ab. Das führte leider nicht dazu, dass ich Menschen betrachten kann, ohne diese Bewertungen vorzunehmen. Zwar bloßer Automatismus, stehen sie dennoch jederzeit an erster Stelle, schießen in meinen Kopf und ich erwische mich selbst dabei, wie ich mich wundere, dass die dicke Frau oder der alte Mann mir gegenüber mir plötzlich zB durch ein Lächeln oder einen Blick oder ein Verhalten hübsch erscheint. Soviel macht das alles kaputt, so sehr geht die bürgerliche Ideologie in dein Denken hinein, missbraucht es und will es scheinbar nie wieder verlassen. Ob ich das jemals loswerde, weiß ich nicht; natürlich wird es besser und ich würde nie im Leben bewusst danach handeln, andererseits ist auch nicht immer klar, ob sowas nicht doch irgendwo noch subtil Entscheidungen beeinflusst. Und das ist einfach nur traurig, ich hoffe für die Gesellschaft, dass ich irgendwann mal extrem fett und ranzig werde.

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