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03 Sep 2015
Irgendwann heißen die Menschen immer Kunibert

Willkommen in der neuen Grillmöbel-Kolumne “Fiktionaler Realismus”, wo ein Mitglied unseres Teams einem anderen Mitglied eine fiktive und möglichst wahnwitzige Situation nennt, zu der dieses eine Reihe von Erfahrungsberichten produzieren muss. Eine sehr herausfordernde Aufgabe, selbst für Grillmöbel-Mitarbeiter_innen. Das Thema heute: “Stell dir vor, du würdest ein Kind bekommen und dich mit zwei anderen Menschen um es kümmern” [Anmerkung: Damit für den nötigen Realismus gesorgt ist, sind “unsere Schreiberlinge” dazu angehalten, keine Metaebenen zu verwenden, so dass es stellenweise so wirken kann, als würden Grillmöbelposts von einer Person verfasst, die tatsächlich in der beschriebenen absurden Situation ist. Hier bitte nicht die Fiktion mit der Realität verwechseln!]


1: Baulärm

Da habe ich doch glatt an dem Tag, wo der Baulärm aufgehört hat, mit diesem Bericht angefangen. Was haben wir nicht alles versucht, um dem Ganzen eigenmächtig ein Ende zu setzen: wütendes Abwarten, Lärmflucht, eine Bananenschale auf der Treppe (das war nicht so durchdacht, sind doch prinzipiell alle Arbeiter_innen ersetzbar, wenn die Wohnung schnell fertig werden muss und das muss sie immer, selbst die Ausrutschgeschädigten) und sogar einen Dialog zu eröffnen, der dann etwa so ablief:

Arbeiter (benutzt eine Kreissäge): LÄRM
Ich (klopfe)
Arbeiter: LÄRM
Ich (klopfe lauter)
Arbeiter: LÄRM
Ich (warte auf eine Pause und klopfe dann): Hallo! Ich hab nur ne kurze Frage!
Arbeiter (pausiert, dann: fährt mit einem anderen, lauteren Gerät fort): LÄÄÄRM

Es hat also alles nichts gebracht, der Lärm bohrte sich weiter in unsere Gehirne wie ein doofer Gedanke, manchmal von 7 Uhr an. Der Grund für all das: In der Wohnung über unserem Babylabor wurde gestorben, ein alter Mann, der wohl sehr wichtig war, denn er trug auf dem Klingelschild ein Ausrufezeichen hinter seinem Namen. So hieß er nicht Rudolph, sondern Rudolph!. Ich habe eine seiner Pflanzen! mitgenommen, die beim Ausräumen der Wohnung! zum Vorschein traten. Und nachdem die Wohnung! von Rudolphs! Krempel! befreit war, fing man an, da professionell Baulärm zu produzieren tagein tagaus. Oder vielleicht Baulärm! ?Egal. Baulärm ist jedenfalls, ob mit oder ohne Ausrufezeichen, etwas, was kein Mensch braucht, der gerade 2 Wochen vorher ein Baby bekommen hat. Und das ist das eigentliche Thema dieses Berichts. Baulärm. Zum Glück ist er dem Baby recht egal, sogar der Sonderbaulärm eines späten Nachts, der gar keiner war: Um 5 Uhr wache ich von dem (leider üblichen) Gehämmer auf. Was soll das denn, haben die jetzt vielleicht eine Nachtlärmgenehmigung bekommen? Eine Welt, in der Schlafenszeit noch weniger gewürdigt wird als ohnehin schon, baut sich kurz in meinem Halbschlafkopf auf. Derweil splittert Glas. Der Geist! des Verstorbenen? Es klingelt. Irgendetwas hindert mich und andere Hausbewohner_innen daran, dem Typen zu öffnen, der mit blanken Händen die Scheibe der Tür einschlägt. Was der da macht, kann mit dem Baulärm auf jeden Fall gut mithalten. Und da Lärm zu Gegenlärm führt (?), lausche ich kurz darauf folgendem Treppenhaus-Dialog (geschrien):
(an der Hand) kaputter Typ: “Lasst mich in meine Wohnung!”
anderer Typ: “Ey Scheiße, du hast die Tür eingeschlagen!”
Das geht dann ne Weile hin und her, dann etwa 3 mal das hier:
anderer Typ: “Die Tür bezahlst du!”
(an der Hand) Blut verlierender Typ: “Keiner bezahlt irgendwas”
Das wiederholt sich mir zuviel, ich lache aber über die Schlagfertigkeit eines Betrunkenen mit zerfetzten Händen, bekomme im Halbschlaf noch einen Krankenwagen mit und träume von Bananenschalen.

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